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Prioritäten setzen als Geschäftsführer: Was tun, wenn alles gleich wichtig ist?

Prioritäten setzen heißt nicht, eine To-do-Liste zu sortieren. Für Geschäftsführer heißt es, zu entscheiden, was in den nächsten Monaten wirklich zählt, was Sie abgeben und was Sie bewusst liegen lassen. Der letzte Teil ist der schwierigste und der wichtigste. Klassische Methoden wie die Eisenhower-Matrix helfen dabei nur begrenzt, weil sie davon ausgehen, dass Sie Ihren Kalender selbst bestimmen. Als angestellter Geschäftsführer tun Sie das oft nicht. In diesem Ratgeber zeige ich Ihnen eine Methode, die für die Geschäftsführungsebene gemacht ist, und wie Sie Ihre Prioritäten gegenüber Beirat und Team auch halten.

Inhalt

  1. Warum Prioritäten setzen für Geschäftsführer so schwer ist
  2. Woran Sie merken, dass Ihre Prioritäten fehlen
  3. Warum Eisenhower und Co. an der Spitze oft nicht reichen
  4. Der Drei-Spalten-Plan: Schritt für Schritt
  5. Die Zeitbilanz als Ausgangspunkt
  6. Wie Sie entscheiden, was wirklich zählt
  7. Die schwierigste Spalte: bewusst liegen lassen
  8. Prioritäten gegenüber Beirat und Eigentümer abstimmen
  9. Prioritäten im Team verankern
  10. Prioritäten im Kalender schützen
  11. Häufige Fragen

1. Warum Prioritäten setzen für Geschäftsführer so schwer ist

„Wenn alles Priorität eins hat, hat gar nichts Priorität.“ Diesen Satz kennt jeder. Und trotzdem stecken viele Geschäftsführer genau in dieser Lage. Das hat Gründe, die mit der Rolle zu tun haben, nicht mit mangelnder Disziplin.

Die Erwartungen kommen von allen Seiten. Der Beirat will Wachstum, der Vertrieb neue Leute, die Produktion Investitionen, das Controlling Kostensenkung. Jede dieser Erwartungen ist berechtigt. Alle gleichzeitig zu erfüllen, ist unmöglich.

Sie bestimmen Ihren Kalender nicht allein. Beiratssitzungen, Kundentermine, Krisen im Team, Anrufe des Eigentümers. Ein großer Teil Ihrer Woche ist fremdbestimmt.

Alles landet bei Ihnen. Bereichsleiter schieben Entscheidungen nach oben, und Sie fangen sie auf. „Tür auf, Tür zu: Hast du kurz?“ Jede dieser Unterbrechungen kostet Fokus.

Nein sagen fühlt sich riskant an. Gerade als angestellter Geschäftsführer fürchten viele, dass ein Nein gegenüber dem Beirat als Schwäche ausgelegt wird.

Das Dringende verdrängt das Wichtige. Die Strategie steht auf „wenn mal Zeit ist“. „Ich hab ein Strategiepapier. Das liegt seit April in meiner Ablage. Ganz unten.“

2. Woran Sie merken, dass Ihre Prioritäten fehlen

Wenn Sie sich in mehreren Punkten wiederfinden: Das Problem ist selten die Menge an Arbeit, sondern die fehlende Reihenfolge.

3. Warum Eisenhower und Co. an der Spitze oft nicht reichen

Die bekannteste Methode zum Prioritäten setzen ist die Eisenhower-Matrix. Sie teilt Aufgaben in vier Felder ein: wichtig und dringend (sofort erledigen), wichtig und nicht dringend (planen), dringend und nicht wichtig (delegieren), weder noch (streichen).

Die Eisenhower-Matrix ist super, wenn man seinen Kalender selbst bestimmt. Für Geschäftsführer hat sie drei Schwächen:

  1. Sie sortiert Aufgaben, keine Themen. Geschäftsführer brauchen nicht die Antwort auf „Was mache ich heute?“, sondern auf „Wofür setze ich die nächsten sechs Monate meine Energie ein?“.
  2. Sie ignoriert, wer die Wichtigkeit festlegt. Was für Sie wichtig ist, muss nicht für den Beirat wichtig sein. Diese Abstimmung fehlt in der Matrix.
  3. Sie hilft nicht beim Loslassen. Das Feld „streichen“ ist in der Praxis fast immer leer, weil kaum jemand den Mut hat, Dinge wirklich zu streichen.

Andere bekannte Methoden wie ABC-Analyse, Pareto-Prinzip oder OKR haben ähnliche Grenzen. Sie sind nützliche Werkzeuge, aber sie ersetzen nicht die eigentliche Entscheidung.

4. Der Drei-Spalten-Plan: Schritt für Schritt

Im Executive Sparring arbeite ich mit einer einfachen Methode, die für die Geschäftsführungsebene gemacht ist. Sie besteht aus drei Spalten.

Mache ich selbst Gebe ich ab Lasse ich bewusst liegen
maximal drei Themen, die nur Sie machen können Themen, die andere übernehmen, mit klarer Zuständigkeit Themen, die in diesem Zeitraum nicht stattfinden

Schritt 1: Alles sammeln. Schreiben Sie alle Themen auf, die gerade auf Ihrem Tisch liegen oder Sie beschäftigen. Nicht Aufgaben, sondern Themen: „Neuaufstellung Vertrieb“ statt „Mail an Vertriebsleiter“. Meistens kommen 15 bis 30 Themen zusammen.

Schritt 2: Die erste Spalte füllen. Welche drei Themen kann nur ich als Geschäftsführer voranbringen? Welche haben den größten Einfluss auf die Ziele, an denen ich gemessen werde? Maximal drei. Nicht vier, nicht fünf.

Schritt 3: Die zweite Spalte füllen. Welche Themen sind wichtig, aber jemand anderes kann sie verantworten? Für jedes Thema eine Person und eine klare Absprache.

Schritt 4: Die dritte Spalte füllen. Alles, was übrig bleibt, wandert hier hin. Bewusst, schriftlich, mit Datum, bis wann es liegen bleibt.

Schritt 5: Prüfen. Lesen Sie die erste Spalte laut vor. Können Sie sie in 30 Sekunden erklären? Würde der Beirat zustimmen? Wenn nicht, zurück zu Schritt 2.

Das Ergebnis ist ein schriftlicher Prioritätenplan, auf eine Seite passend. Er ist nicht für die Ewigkeit, sondern für die nächsten drei bis sechs Monate.

So kann ein Drei-Spalten-Plan aussehen

Ein Beispiel, wie es für einen angestellten Geschäftsführer eines mittelständischen Produktionsunternehmens aussehen könnte. Das Beispiel ist zur Veranschaulichung zusammengestellt und beschreibt keine reale Person.

Mache ich selbst Gebe ich ab Lasse ich bewusst liegen
Neuaufstellung Vertrieb (Ziel: zwei neue Großkunden bis Q4) Lieferantenverhandlungen → Leiter Einkauf, mit Freigabegrenze Digitalisierung der Personalakte, bis Q3
Planung zweiter Standort, Entscheidungsvorlage für den Beirat Monatsreporting → Controlling, ich lese nur noch die Zusammenfassung Neues Leitbild-Projekt, bis Jahresende
Zielgespräch mit dem Beirat zur Jahresplanung Wöchentliche Produktionsrunde → Werkleiter, ich komme nur noch monatlich Messeauftritt in Hannover, dieses Jahr nicht
Auswahl Azubis → Personalleitung Umbau Besprechungsräume

Auffällig ist: In der ersten Spalte stehen nur drei Themen, und alle drei haben direkt mit den Zielen zu tun, an denen dieser Geschäftsführer gemessen wird. In der zweiten Spalte steht bei jedem Thema eine Person und eine Grenze. Und in der dritten Spalte stehen Dinge, die sich alle gut anfühlen würden, aber in diesem Zeitraum keinen Vorrang haben.

Typische Fallen beim Prioritäten setzen

Zu viele Prioritäten. Fünf, sieben, zehn Themen in der ersten Spalte. Das fühlt sich vollständig an, ist aber nur eine sortierte To-do-Liste. Drei ist die Grenze.

Aufgaben statt Themen. „Budget freigeben“ ist keine Priorität, sondern eine Aufgabe. Prioritäten sind Themen mit einem Ziel.

Die dritte Spalte bleibt leer. Ohne bewusstes Liegenlassen ist jede Prioritätenliste nur ein Wunschzettel.

Prioritäten ohne Abstimmung. Wenn Beirat und Team Ihre Prioritäten nicht kennen, werden sie beim ersten Gegenwind überrollt.

Prioritäten nur im Kopf. Was nicht aufgeschrieben ist, verschwimmt. Der schriftliche Plan ist kein Formalismus, sondern ein Werkzeug.

5. Die Zeitbilanz als Ausgangspunkt

Bevor Sie Prioritäten setzen, lohnt sich ein ehrlicher Blick darauf, wohin Ihre Zeit tatsächlich geht. Viele Geschäftsführer schätzen das deutlich falsch ein.

So geht es: Schreiben Sie eine Woche lang grob auf, was Sie tun, in Blöcken von einer halben Stunde. Nicht minutengenau, das schafft niemand. Am Ende der Woche sortieren Sie jeden Block in eine von drei Kategorien:

Die Ergebnisse überraschen fast jeden. Häufig zeigt sich, dass ein großer Teil der Woche in die dritte Kategorie fällt. Genau dort liegt der größte Hebel. Wie Sie diese Aufgaben dauerhaft abgeben, steht im Ratgeber Delegieren lernen.

6. Wie Sie entscheiden, was wirklich zählt

Die erste Spalte ist schwer zu füllen, weil sich vieles wichtig anfühlt. Diese Fragen helfen:

  1. Woran werde ich in zwölf Monaten gemessen? Nicht, was in meiner Stellenbeschreibung steht, sondern was der Beirat oder Eigentümer wirklich erwartet.
  2. Was passiert, wenn ich dieses Thema sechs Monate liegen lasse? Wenn die Antwort „nicht viel“ ist, gehört es nicht in die erste Spalte.
  3. Kann nur ich das? Wenn jemand anderes es genauso gut oder fast so gut kann, gehört es in die zweite Spalte.
  4. Hat dieses Thema einen Hebel auf andere Themen? Manche Themen lösen viele andere mit. Die gehören nach oben.
  5. Wofür bin ich eigentlich eingestellt worden? Diese Frage bringt oft überraschende Klarheit.

7. Die schwierigste Spalte: bewusst liegen lassen

Die dritte Spalte ist der eigentliche Kern des Prioritäten-Setzens. Ohne sie ist jede Prioritätenliste nur eine sortierte To-do-Liste.

Warum fällt es so schwer, Dinge bewusst liegen zu lassen?

Der Unterschied zwischen „liegen bleiben“ und „bewusst liegen lassen“ ist entscheidend. Was liegen bleibt, erzeugt ein schlechtes Gewissen. Was Sie bewusst liegen lassen, ist eine Entscheidung, die Sie begründen können. Schreiben Sie dazu, warum und bis wann. „Digitalisierung der Personalakte: liegt bis Q3, weil der Vertrieb Vorrang hat.“

Ehrlich gesagt kostet es anfangs Überwindung. Aber genau das gibt Ihnen danach Kraft zurück.

8. Prioritäten gegenüber Beirat und Eigentümer abstimmen

Ein Prioritätenplan, den nur Sie kennen, hält nicht lange. Spätestens beim nächsten Anruf des Eigentümers kommt ein neues Thema dazu, und alles gerät durcheinander.

Deshalb gehört der Plan, zumindest die erste und die dritte Spalte, in das Gespräch mit dem Beirat oder Eigentümer. Das hat drei Vorteile:

Wie Sie das für die nächste Sitzung vorbereiten, steht im Ratgeber Beiratssitzung vorbereiten.

Prioritäten setzen in der Krise

In einer Krise, etwa bei einem plötzlichen Auftragseinbruch, dem Ausfall eines wichtigen Kunden oder einem Lieferengpass, scheint jede Planung hinfällig. Gerade dann sind klare Prioritäten aber am wichtigsten, weil alle auf Sie schauen.

Drei Regeln für Krisenzeiten:

  1. Kürzerer Horizont. Statt sechs Monate planen Sie für vier bis sechs Wochen. Die Methode bleibt dieselbe: drei Themen, die Sie selbst machen, eine klare Liste, was Sie abgeben, und eine noch längere Liste, was liegen bleibt.
  2. Häufiger prüfen. Statt alle drei Monate einmal pro Woche. Was letzte Woche richtig war, kann diese Woche falsch sein.
  3. Offen kommunizieren. Sagen Sie Beirat und Team ausdrücklich, dass Sie im Krisenmodus arbeiten, was das bedeutet und wann Sie zur normalen Planung zurückkehren wollen.

Die größte Gefahr in der Krise ist nicht, falsche Prioritäten zu setzen, sondern gar keine. Wer versucht, alles gleichzeitig zu retten, rettet am Ende wenig.

9. Prioritäten im Team verankern

Ihre Prioritäten wirken nur, wenn Ihr Team sie kennt. Viele Geschäftsführer haben klare Prioritäten im Kopf, aber ihr Team weiß nichts davon und fragt deshalb ständig nach.

10. Prioritäten im Kalender schützen

Der schönste Plan bringt nichts, wenn Ihr Kalender anders aussieht.

Wenn Sie es nicht allein schaffen

Prioritäten setzen klingt einfach und ist es oft nicht, vor allem, wenn man mittendrin steckt. Von außen sieht man klarer, was wirklich zählt, und man traut sich eher, Dinge liegen zu lassen, wenn jemand nachfragt.

Im Executive Sparring ist der schriftliche Prioritätenplan das zentrale Ergebnis: was Sie selbst machen, was Sie abgeben und was Sie bewusst liegen lassen. Wir erstellen ihn im zweiten Termin und stimmen ihn im dritten mit Ihrem Gespräch mit Beirat oder Eigentümer ab. Dazu kommen feste Zeiten zum Gestalten im Kalender und klare Absprachen mit Ihren Bereichsleitern.

Mehr dazu im großen Ratgeber zum Coaching für Geschäftsführer.

Wie ich mit angestellten Geschäftsführern arbeite, lesen Sie auf der Seite Führungskräfte-Coaching.

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11. Häufige Fragen zum Prioritäten setzen

Was bedeutet Prioritäten setzen?

Prioritäten setzen heißt, zu entscheiden, was in einem bestimmten Zeitraum Vorrang hat, und damit auch, was warten muss. Für Geschäftsführer geht es weniger um einzelne Aufgaben als um die Themen, für die sie in den nächsten Monaten ihre Energie einsetzen.

Wie viele Prioritäten sollte ein Geschäftsführer haben?

Drei. Mehr verwässert den Fokus. Wenn Sie fünf Prioritäten haben, haben Sie in Wahrheit keine.

Welche Methode zum Prioritäten setzen ist die beste?

Die, die Sie wirklich anwenden. Für Geschäftsführer hat sich der Drei-Spalten-Plan bewährt, weil er das bewusste Liegenlassen ausdrücklich einschließt.

Wie oft sollte ich meine Prioritäten überprüfen?

Wöchentlich kurz im Kalender, grundsätzlich alle drei Monate. Prioritäten, die sich jede Woche ändern, sind keine.

Was mache ich, wenn der Eigentümer ständig neue Prioritäten setzt?

Machen Sie Ihre Prioritäten sichtbar und stimmen Sie sie ab. Wenn ein neues Thema kommt, fragen Sie, welches bestehende es ersetzt. Das ist keine Verweigerung, sondern Führung.

Wie gehe ich damit um, dass ich bei manchen Themen ein schlechtes Gewissen habe?

Schreiben Sie diese Themen bewusst in die dritte Spalte, mit Begründung und Datum. Eine bewusste Entscheidung fühlt sich anders an als etwas, das einfach liegen bleibt.

Was ist der Unterschied zwischen Prioritäten und Zielen?

Ziele beschreiben, was erreicht werden soll, etwa zehn Prozent Wachstum. Prioritäten beschreiben, worauf Sie Ihre Energie konzentrieren, um dorthin zu kommen, etwa die Neuaufstellung des Vertriebs. Gute Prioritäten leiten sich direkt aus den Zielen ab, an denen Sie gemessen werden.

Kann ein Coach mir beim Prioritäten setzen helfen?

Ja, gerade weil man von außen klarer sieht, was wirklich zählt, und sich eher traut, Dinge liegen zu lassen, wenn jemand nachfragt. Im Executive Sparring ist der schriftliche Prioritätenplan das zentrale Ergebnis.